FCI - Standard Nr. 165 /
4. 12. 1998 / D
SPINONE
(Spinone
Italiano)
ÜBERSETZUNG : Frau Michèle Schneider.
URSPRUNG : Italien.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES : 03. 04. 1992.
VERWENDUNG : Vorstehhund.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 7 Vorstehhunde.
Sektion 1.3 Kontinentale Vorstehhunde,
Typ
« Griffon ».
Mit Arbeitsprüfung.
KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : In der
Literatur finden sich Darstellungen, die einen rauhhaarigen
Hund italienischen Ursprungs beschreiben, der als Vorfahre des heutigen Spinone gilt. Demnach wäre diese Rasse echt italienischer
Herkunft. Sélicourt spricht 1683 in seinem Buch
« Der perfekte Jäger » von einem aus Italien und dem Piemont
stammenden « Griffon ». Im Mittelalter
wurde dieser Hund von berühmten Malern oft abgebildet; das bekannteste Gemälde
ist ein Fresko von Andrea Mantegna im herzoglichen
Palast von Mantua aus dem 15.Jahrhundert.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Hund von kräftigem, derbem
und widerstandsfähigem Körperbau; kräftiger Knochenbau; gut entwickelte
Muskulatur; Rauhhaar.
WICHTIGE PROPORTIONEN : Sein
Körperbau nähert sich einem Quadrat. Die Rumpflänge entspricht der
Widerristhöhe, mit einer Toleranz von 1 bis 2 cm mehr Rumpflänge. Die Länge des
Kopfes entspricht 4/10 der Widerristhöhe; seine Breite beträgt, in Höhe der
Jochbeinbogen gemessen, weniger als die Hälfte seiner Länge.
VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Der Spinone besitzt ein umgängliches Wesen, ist leichtführig
und geduldig und eignet sich für die Jagd in jedem Gelände; er ist nahezu
unermüdlich und geht willig ins dornige Gestrüpp oder wirft sich ins kalte
Wasser. Er besitzt eine bemerkenswerte Veranlagung zum verlängerten und
schnellen Trab; von Natur aus ist er ein vorzüglicher Apportierer.
KOPF : Die oberen
Begrenzungslinien von Schädel und Fang sind divergent.
OBERKOPF :
Schädel : Ovaler
Schädelumrib; von
vorne betrachtet hat er die Form eines Satteldaches; stark entwickelter
Hinterhauptfortsatz und sehr ausgeprägtes Scheitelbein. Die Stirnwölbung ist
weder nach vorn, noch in der Höhe sehr entwickelt. Die Augenbrauenbogen treten
nicht allzu sehr hervor.
Stop : Kaum
angedeutet, hingegen ist die Stirnfurche stark betont.
GESICHTSSCHÄDEL :
Nasenschwamm : Er
liegt in der Verlängerung des Nasenbeins; er ist grob und schwammig mit sehr
dickem und stark abgerundetem oberen Rand; bei weiben Hunden ist er
rosa-fleischfarben, etwas dunkler bei weib-orangefarbenen Hunden
und braun bei den braun gefleckten Hunden. In der Seitenansicht ragt er über
den Vorderrand der Lippen hinaus. Die Nasenlöcher sind grob und hervortretend.
Fang : Seine
Länge entspricht der des Oberkopfes; auf halber Länge gemessen erreicht die
Fangtiefe ein Drittel der Fanglänge. Das Profil des Fangs ist gerade oder
leicht gewölbt (Ramsnase). Die Seitenflächen des
Fangs sind parallel zueinander, so dab der
Fang von vorne betrachtet quadratisch erscheint. Das untere Fangprofil wird
durch die oberen Lippen bestimmt; der tiefste Punkt des Fangs ist der
Lefzenwinkel.
Lefzen : Die
oberen Lefzen sind eher dünn und bilden unter dem Nasenspiegel einen offenenWinkel; in ihrem vorderen Bereich sind sie
abgerundet, bedecken dann die unteren Lippen und bilden beim Erreichen des
Lefzenwinkels eine gut sichtbare Falte.
Kiefer / Zähne : Kiefer
kräftig und normal entwickelt; im mittleren Bereich sind die Unterkieferäste ganz leicht gekrümmt. Die Zahnbogen sind
einander gut angepabt; die Schneidezähne schlieben
entweder als Schere oder als Zange.
Backen :
Trocken.
Augen : Sie
sind grob, gut
geöffnet und auseinanderliegend. Die Lidöffnung ist
nahezu rund; die Lider schmiegen sich perfekt dem Augapfel an, welcher weder
tief eingesetzt noch hervortretend ist; die Augen liegen auf einer beinahe
frontalen Ebene. Die Iris ist ockerfarben mit je nach Fellfarbe hellerer oder
dunklerer Nuance.
Behang : In
der Form fast dreieckig; in der Länge reicht er nicht mehr als 5 cm über die
untere Kehllinie; in der Breite reicht er von der Stelle, wo der Kopf am Hals
ansetzt, nach vorne bis zur Mitte des Jochbeinbogens. Sein vorderer Rand liegt an der Wange an; er
ist nicht korkenzieherartig gedreht, aber nach innen gewendet; die Ohrspitze
ist leicht abgerundet. Das Ohr wird nahezu immer herabhängend getragen, es
stellt sich nur wenig auf. Der Ohrlappen ist dünn. Die Haut ist von dichtem
Haar bedeckt, das sich mit wenigen, zum Rand hin dichter werdenden langen
Haaren vermischt.
HALS :
Kräftig und muskulös; er ist deutlich vom Nacken abgesetzt und harmonisch
zwischen den Schultern eingefügt. Seine Länge darf 2/3 der Kopflänge nicht
unterschreiten; sein Umfang erreicht ein Drittel der Widerristhöhe. Der untere
Rand zeigt eine schwach entwickelte doppelte Wamme.
KÖRPER : Er läbt sich
beinahe in ein Quadrat stellen.
Obere Profillinie : Das
obere Rumpfprofil läbt sich in zwei
Abschnitte unterteilen : der erste verläuft schräg vom Widerrist in praktisch
gerader Linie zum elften Rückenwirbel, der andere ist leicht konvex und bildet
die Verbindung mit der kräftigen, gut gebogenen Lendenregion.
Widerrist : Tritt
nicht allzu sehr hervor.
Lenden : Leicht
konvex und besitzt eine gut in die Breite entwickelte Muskulatur. Sie mibt in
der Länge etwas weniger als ein Fünftel der Widerristhöhe und ihre Breite
entspricht nahezu ihrer Länge.
Kruppe : Breit,
lang, gut bemuskelt und schräg gestellt; zur Horizon-talen bildet sie einen Winkel von 30° bis 35°,
gemessen anhand der Neigung des Beckenknochens.
Brust : Der
Brustkorb ist geräumig, tief und auf halber Höhe gut gewölbt; er reicht
mindestens bis auf Ellbogenhöhe herab. Der Brustdurchmesser erreicht seinen
höchsten Wert auf halber Höhe und nimmt in Richtung Brustbein deutlich ab, ohne
dab die
Brust jedoch kielförmig endet. Die Rippen sind gut gewölbt und schräg mit
breiten Zwischenrippenräumen. Die falschen Rippen sind lang, schräg und gut
geöffnet.
Untere Profillinie : Im
Brustbeinbereich verläuft die untere Linie nahezu horizontal, dann steigt sie
leicht zum Bach hin an.
RUTE : Die
Rute ist dick, besonders an der Schwanzwurzel; sie wird horizontal oder
herabhängend getragen; sie besitzt keine Fransen. Man kupiert sie unter
Belassung eines 15 cm bis 25 cm langen Stummels.
GLIEDMASSEN
VORDERHAND : Von
vorne betrachtet sind die vorderen Gliedmaben völlig parallel und
senkrecht zum Boden. In Seitenansicht steht der Unterarm senkrecht und der Vordermittelfub leicht
schräg.
Schultern : Die
Schulterblätter sind kräftig und lang und messen ein Viertel der Widerristhöhe;
ihre Neigung zur Horizontalen beträgt ungefähr 50°; bezogen auf die Medianebene
des Körpers liegen die Schulterblattkuppen nicht sehr nahe beieinander. Die
Schulter ist mit gut entwickelter Muskulatur versehen und völlig frei in ihren
Bewegungen; die Winkelöffnung Schulterblatt-Oberarmbein beträgt ungefähr 105°.
Oberarm : Zur
Horizontalen ist er in einem Winkel von ungefähr 60° geneigt; er liegt auf
einer Ebene, die der Medianachse des Körpers nahezu parallel ist. Er ist gut bemuskelt.
Ellenbogen : Sie
liegen auf einer Ebene, die der Medianebene des Körpers parallel ist. Der
Ellbogenhöcker mub ein wenig vor der
Vertikalen liegen, die vom hinteren Punkt des Schulterblattes aus zum Boden
verläuft. Der Abstand vom Ellbogen zum Boden entspricht 50% der Widerristhöhe.
Unterarm : Sowohl
von vorne wie auch von der Seite betrachtet steht er senkrecht; er ist ein
wenig länger als ein Drittel der Widerristhöhe. Kräftiger Knochenbau. Die
hintere Sehne ist kräftig betont, so dab sich
die Vertiefung zwischen Sehne und Knochen deutlich abhebt.
Vorderfubwurzel : Sie
liegt in der vertikalen Linie des Unterarms.
Vordermittelfub : Er
ist flach und folgt, von vorne gesehen, der vertikalen Linie des Unterarms;
seitlich betrachtet steht er leicht schräg. Seine Länge beträgt ungefähr 1/6
der Länge der Gliedmabe bis zum Ellbogen.
Vorderpfoten :
Kompakt, rund; Zehen eng aneinanderliegend und
gewölbt, ebenso, wie die Zehenzwischenräume mit kurzem und dichtem Haar
bedeckt. Die harten und trockenen Ballen sind je nach Fellfarbe mehr oder
weniger stark pigmentiert. Die Krallen sind widerstandsfähig, zum Boden hin
gekrümmt und gut pigmentiert, jedoch nie schwarz.
HINTERHAND : Von
der Seite betrachtet ist der hintere Rand des Oberschenkels wenig konvex; gute
Winkelung der einzelnen Knochenabschnitte zueinander; der Hintermittelfub mub senkrecht zum Boden
stehen; von hinten betrachtet sind die hinteren Gliedmaben parallel und senkrecht
zum Boden gestellt.
Oberschenkel
: Seine Länge darf ein Drittel der Widerristhöhe nicht
unterschreiten. Seine Breite erreicht ¾ seiner Länge. Er ist sehr stark bemuskelt. Er ist von oben nach unten und von hinten nach
vorne leicht schräg gestellt. Sein hinterer Rand ist wenig konvex.
Unterschenkel :
Seine Länge übertrifft leicht die des Oberschenkels; seine Neigung zur
Horizontalen beträgt ungefähr 55° - 60°; im oberen Teil ist er trocken bemuskelt; die Vertiefung entlang der Achillessehne ist
ausgeprägt und gut sichtbar.
Sprunggelenk : Seine
Seiten sind sehr breit. Der Abstand des Fersenhöckers zum Boden beträgt
ungefähr ein Drittel der Widerristhöhe. Die Winkelöffnung am Sprunggelenk
beträgt ungefähr 150°.
Hintermittelfub :
Kräftig und trocken; seine Länge entspricht dem Abstand des Sprunggelenkes zum
Boden. Der Hintermittelfub steht senkrecht, gleich
von welcher Seite aus man ihn betrachtet. An seiner Innenseite kann er eine
einfache und bewegliche Afterkralle tragen.
Hinterpfoten : Sie
zeigen die gleichen Merkmale wie die Vorderpfoten, sind jedoch etwas mehr oval.
GANGWERK : Freier
Schritt; bei der Jagd ein verlängerter und schneller Trab, zeitweise von
Galoppsprüngen unterbrochen.
HAUT : Gut am
Körper anliegend; sie mub dick und trocken sein. Auf
dem Kopf, an der Kehle, in der Leistengegend, in den Achselhöhlen und auf den
hinteren Rumpfteilen ist sie dünner; an den Ellenbogen fühlt sie sich weich an.
Sie bildet zwei knappe Falten, die von den Unter- kieferästen
ausgehen und sich in der oberen Halshälfte verlieren. (Wamme). Wenn der Kopf gesenkt getragen wird, kann man
gerade noch eine Falte erkennen, die vom schläfenseitigen Augenwinkel über die
Backe hinabläuft; diese Falte trägt an ihrem hinteren
Rand ein Haarbüschel. Das Hautpigment variiert mit der Farbe der Flecken des
Fells. Die Farbe der äuberen
Schleimhäute mub der
Fellfarbe entsprechen.
HAARKLEID
HAAR :
Haarlänge am Körper 4 bis 6 cm, kürzer an Fang, Kopf, Ohren, Vorderseiten der Gliedmaben und
auf den Pfoten. Auf der Rückseite der Gliedmaben ist das Haar
bürstenartig, zeigt aber nie Fransen. Lange und steife Haare zieren die
Augenbrauenbogen und die Lefzen; sie bilden dabei dichte Augenbrauen,
Schnurrbart und Kinnbart. Das Haar ist
steif, hart, dicht und eher anliegend; es gibt keine Unterwolle.
FARBE :
Reines Weib, Weib mit
orangefarbenen Flecken, Weib mit orangefarbener
Stichelung (gesprenkelt), Weib mit kastanienbraunen
Flecken oder mit kastanienbrauner Stichelung. Die bevorzugte Brauntönung ist
die Farbe der « Kapuzinerkutte ». Nicht erlaubte Farben: dreifarbig,
rotbraune Abzeichen (Brand), und schwarz in irgendwelchen Kombinationen.
GRÖSSE UND GEWICHT :
Widerristhöhe : Rüden von
60 bis 70 cm,
Hündinnen von
58 bis 65 cm,
Gewicht : Rüden von
32 bis 37 kg,
Hündinnen von
28 bis 30 kg.
FEHLER : Jede
Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden,
dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
AUSSCHLIESSENDE
FEHLER :
·
Konvergenz der oberen Begrenzungslinien von
Schädel und Fang.
·
Völlig depigmentierter
Nasenspiegel.
·
Konkaver Nasenrücken.
·
Rückbib, ausgeprägter
Vorbib.
·
Birkauge.
·
Haut oder Schleimhäute schwarz pigmentiert.
·
Haarkleid dreifarbig, mit
« Brand » oder schwarz in irgendwelchen Kombinationen.
N.B. : Rüden müssen zwei
offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im
Hodensack befinden.