FCI - Standard Nr. 249 / 20. 05. 1997
/ D
(Perro Dogo Mallorquin, Ca de bou)
ÜBERSETZUNG : Dr.J.-M. Paschoud und Frau R.Binder.
URSPRUNG : Spanien.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES : 11. 12. 1996.
VERWENDUNG : Wach- und Schutzhund.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 2
Pinscher und Schnauzer-
Molossoide-Schweizer
Sennenhunde und andere
Rassen.
Sektion 2.1 Molosser,
doggenartige
Hunde.
Ohne Arbeitsprüfung.
KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Seit
Urzeiten hat im Bereich des Mittelmeers die Schifffahrt zwischen Ost und West
den Austausch von Kultur und Wissenschaft zwischen den Völkern gefördert. Diese
gegenseitigen Beziehungen, wenn sie auch vor allem kommerzieller Art waren,
boten auch Gelegenheit zum Austausch von Haustieren; unter diesen befanden sich
Wach- und Schutzhunde, welche von je her zum Schutz gegen Piraten und Seeräuber
in den Häfen und in den am Meer gelegenen Siedlungen gebraucht wurden. Unter diesen meist grossen, starken und
widerstandsfähigen Hunden mit grossem Kopf und
mächtigem Gebiss zeichnete sich einer aus: es war die Dogge der Iberischen
Halbinsel, die an verschiedenen Orten in Spanien als Jagdhund oder als
Kampf-Hund gegen Stiere oder andere Hunde verwendet wurde. Dieser Hund begleitete König Jakob den Ersten
auf seinen Eroberungszügen und traf ungefähr um das Jahr 1230 auf den Balearen
ein. Im 17.Jahrhundert gingen Menorca und andere Gebiete durch den Frieden von
Utrecht in englischen Besitz über. Die Engländer führten ihre eigenen Kampf-
und Wachhunde in die balearischen Inseln ein und
kreuzten sie mit der Dogge der Iberischen Halbinsel, die ja auch auf den
Balearen vorhanden war. Im Beginn des 18. Jahrhunderts waren in England die Kämpfe
zwischen Hunden und Stieren sehr volkstümlich, und die auf den Inseln wohnenden
Engländer suchten einen Hund, der für solche Kämpfe gut zu gebrauchen war.
Diese Umstände erklären den Namen Ca de Bou,
Stierhund. Im spanischen Stammbuch aus dem Jahre 1923 ist die Existenz dieser
Rasse bereits festgehalten. Die erste offizielle Einschreibung stammt aus dem
Jahre 1928, und im Jahre 1929 wurde ein solcher Hund zum ersten Mal an der
Hundeausstellung in Barcelona ausgezeichnet.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Es
handelt sich um einen typischen Molosser von etwas
verlängerter Gestalt, kräftig und mächtig, von mittlerer Grösse.
Der Geschlechtsunterschied ist beim Schädel, dessen Umfang beim Rüden grösser ist als bei der Hündin, ausgesprochen.
VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Bei
ruhiger Charaktergrundlage kann er sich unter Umständen auch mutig und tapfer
verhalten; er ist mit den Menschen umgänglich und seinem Meister treu und
anhänglich. Als Wach- und Schutzhund ist er unübertrefflich. In ruhiger
Situation ist er vertrauensvoll und selbstsicher; in der Erregung ist sein
Blick durchdringend.
KOPF : Er ist
kräftig und massiv.
OBERKOPF :
Schädel : Er ist
gross, breit und fast quadratisch; sein Umfang, besonders beim Rüden, ist grösser als der am Widerrist gemessene Brustumfang. Die
Stirne ist breit und flach, die Stirnfurche ist ausgeprägt; von vorne gesehen
ist wegen der Form des Schädels das Hinterhaupt nicht sichtbar. Die oberen
Begrenzungslinien von Schädel und Fang sind fast parallel, leicht konvergent.
Stop : Von
der Seite gesehen ist er ausgesprochen und vorstehend; von vorne betrachtet ist
er nur wahrnehmbar, weil die Augenbrauenbogen eine deutliche Stirnfurche
abzeichnen.
GESICHTSSCHÄDEL : Die Kiefermuskeln sind kräftig, vorstehend,
stark entwickelt und reichen bis unter die mittlere Augengegend; wenn auch
einige Falten seitlich über den Kaumuskeln vorkommen, kann man insgesamt
festhalten, dass die Kopfhaut keine Falten aufweist.
Nasenschwamm :
Schwarz und breit; zwischen den Nasenlöchern ist das Philtrum
gut abgezeichnet.
Fang : Beim
inneren Augenwinkel angesetzt ist er breit und konisch, in der Seitenansicht an
einen stumpfen Kegel mit breiter Basis erinnernd; der Nasenrücken ist gerade
und leicht ansteigen. Die Länge des Fangs steht in einem Verhältnis von 1 zu 3
zur Länge des Schädels.
Lefzen : Die
Oberlippe bedeckt die Unterlippe seitlich bis zur Mitte des Fangs, wo der
Mundwinkel erscheint. Die Oberlippe ist
eher straff anliegend, während sich die Unterlippe in ihren mittleren Anteilen
faltet, womit bei geschlossenem Fang die Lippen nicht auffallend sind. Die
durchwegs rote Schleimhaut der Mundhöhle zeigt ausgesprochene Querillen und die Ränder des Zahnfleisches sind schwarz
pigmentiert.
Kiefer / Zähne : Die
Kiefer sind kräftig, die Schneidezähne korrekt angereiht und die Eckzähne gut
abgesetzt; das Gebiss ist vollständig, die Zähne sind weiss und stark; der
Zahnschluss zeigt einen Vorbiss; dieser nicht übertriebene Vorbiss soll im
Maximum einen cm (1 cm) betragen. Wenn der Fang geschlossen ist, dürfen die
Zähne nicht sichtbar sein.
Augen :
Gross, von ovaler Form; die Lidöffnung ist weit, gut umrissen und leicht
schräg; die Farbe soll so dunkel wie möglich sein und zur Farbe des Haarkleides
passen; die Augenschleimhaut ist nicht sichtbar; von vorne gesehen soll man das
Weiss des Auges nicht sehen. Die Augen sind tief eingesetzt und liegen weit
auseinander.
Ohren : Hoch
und seitlich angesetzt, eher klein, mit sichtbarer innerer Ohrmuschel und in
einem Bogen nach hinten gezogen; es handelt sich um ein sogenanntes Rosenohr.
In der Ruhe befindet sich die Spitze des Ohres unterhalb der Augenlinie.
HALS :
Kräftig, dick, in gutem Verhältnis zum Ganzen; am Ansatz entspricht seine
Breite ungefähr dem Durchmesser des Kopfes; gut in den Widerrist eingefügt. Die
Haut ist etwas lose; eine dünne Wamme ist zulässig.
KÖRPER :
Lenden und Flanken : Kurz
relativ schmal, mit einer ausgesprochenen Wölbung gegen die Kruppe zu.
Kruppe : Sie
liegt ungefähr 1 bis 2 cm höher als der Widerrist; sie ist in einem Winkel von
ungefähr 30° zur Horizontalen schräg und ist etwas schmäler als der
Brustkasten.
Brust : Der
Rippenkorb ist etwas zylindrisch, tief und reicht bis zu den Ellenbogen; wegen
den weit auseinanderstehenden Schulterblattkuppen ist die Brust auf der Höhe
des Widerristes breit.
Untere Profillinie und Bauch : Der
Brustanteil verläuft parallel zum Boden; die Bauchlinie ist leicht ansteigend
und aufgezogen, aber nicht windhundartig.
RUTE : Tief
angesetzt, an ihrem Ansatz dick, sich zum Ende hin verjüngend. Die Rute reicht bis zum Sprunggelenk und
endet in einer Spitze. In der Ruhe ist sie natürlich hängend; in der Aktion
bildet sie einen leichten Bogen und wird bis zur Höhe der Rückenlinie
angehoben.
GLIEDMASSEN
VORDERHAND :
Schultern : Mässig kurz, leicht schräg, wenig vorstehend.
Oberarm : Gerade
und parallel, breit gestellt.
Ellenbogen :
Wegen der Breite der Brust abstehend, aber keinesfalls nach aussen
gedreht.
Unterarm : Gut
bemuskelt, gerade; starke Knochenstruktur.
Vorderpfoten :
Kräftig, mit dicken, eng aneinanderliegenden und leicht gerundeten Zehen;
Ballen leicht pigmentiert.
HINTERHAND :
Bemuskelt, breiter als die Vorderhand.
Oberschenkel : Breit,
natürlich gewinkelt.
Hintermittelfuss : Kurz, gerade, kräftig. Afterkrallen nicht erwünscht.
Hinterpfoten : Kräftig,
mit dicken Zehen, welche länger sind als an der Vorderpfote, jedoch insgesamt
eine ovale Form aufweisen; die Ballen sind vorzugsweise pigmentiert.
GANGWERK : Die
typische Gangart dieser Rasse ist der Trab.
HAUT : Sie
ist eher dick und gut am Körper anliegend, ausser am
Hals, wo eine leichte Wamme vorkommen kann.
HAARKLEID
HAAR : Kurz
und beim Anfassen rauh.
FARBE : Gestromt, falbfarben und schwarz, in dieser Reihenfolge
erwünscht; bei den gestromten Hunden werden die
dunklen Farbtöne vorgezogen, bei den falbfarbenen die intensiven. Weisse Flecken sind an den Vorderpfoten, an der Brust und
am Fang bis zu einem Maximum von 30% der Fläche zulässig. Auch eine schwarze
Maske ist zulässig.
GRÖSSE UND GEWICHT :
Widerristhöhe : Für
Rüden: von 55 bis 58 cm,
Für
Hündinnen: von 52 bis 55 cm.
Gewicht :
Bei den Rüden reicht das
Gewicht von 35 bis 38 kg,
Bei den Hündinnen von 30 bis 34 kg.
FEHLER : Jede
Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden,
dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
SCHWERE FEHLER :
AUSSCHLIESSENDE FEHLER :
MASSE FÜR EINEN MITTLEREN HUND:
N.B. : Rüden müssen zwei
offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im
Hodensack befinden.