FCI - Standard Nr. 265  /  12. 03. 1999 /  D

 

NORWEGISCHER LUNDEHUND

(Norsk Lundehund)

 

 

 

 

ÜBERSETZUNG  :  Rüdiger Jenzen, Karl Schuermann und

                                 Dr. J.-M. Paschoud.

 

URSPRUNG : Norwegen.

 

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES  :  12. 03. 1999.

 

VERWENDUNG : Seine anatomischen Besonderheiten prädestinieren diesen Hund zur Jagd auf Papageitaucher auf den steilen Felsen am Rande der Fjords und am Meer.

 

KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 5   Spitze und Hunde vom Urtyp.

                                         Sektion 2    Nordische Jagdhunde.

                                         Ohne Arbeitsprüfung.

 

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Der Norwegische Lundehund ist ein rechteckiger Spitzhund, klein, geschmeidig, relativ leicht, mit deutlichem Geschlechtsgepräge.

 

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Aufmerksam, ener-gisch, lebhaft.

 

KOPF : Trocken, von mittlerer Breite, keilförmig.

 

OBERKOPF :

Schädel : Leicht gewölbt, Augenbrauenbogen vorstehend.

Stop : Deutlich, aber nicht zu ausgeprägt.

 

GESICHTSSCHÄDEL :

Fang : Keilförmig, von mittlerer Länge, Nasenrücken leicht konvex.

Kiefer / Zähne : Vorzugsweise Scherengebiss. Zangengebiss und mässiger Vorbiss sind zulässig. Das beidseitige Fehlen von Prämolaren in beiden Kiefern ist erlaubt.

 

 

Augen : Leicht schräggestellt, nicht vorstehend. Die Iris ist gelblich-braun. Die Augenpupille ist von einem dunklen Ring umgeben.

Ohren : Dreieckige Ohren von mittlerer Grösse, breit an der Basis, aufrecht getragen, lebhaft beweglich. Sie haben die besondere Eigenheit, dass der Ohrknorpel zusammengezogen und das äussere Ohr in besonderer Weise zusammengefaltet und verdreht werden kann (nach rückwärts oder rechtwinklig aufwärts), so dass der Gehörgang verschlossen wird.

 

HALS : Trocken. Von mittlerer Länge, relativ kräftig und mit einem ziemlich reichen Kragen versehen.

 

KÖRPER : Rechteckig.

Obere Profillinie : Gerade.

Rücken : Kräftig.

Kruppe : Schwach abfallend.

Brust : Brustkorb langgezogen, von mittlerer Breite, verhältnismässig tief und geräumig, nicht fassförmig.

Bauch : Leicht aufgezogen.

 

RUTE : Hoch angesetzt, halblang, dicht behaart, jedoch ohne Fahne. Ringelförmig oder leicht gerollt über dem Rücken oder auch hängend getragen. Die Spitze der Rute soll weder zu hoch über dem Rücken getragen werden noch auf eine Seite fallen.

 

GLIEDMASSEN

 

VORDERHAND :

Allgemeines : Mässig gewinkelt.

Unterarm : Gerade.

Vorderpfoten : Ovale, leicht nach auswärts gedrehte Pfoten mit mindestens sechs Zehen, wovon fünf effektiv auftreten, also den Hund abstützen sollen. Acht Ballen an jeder Pfote. Anatomisch besteht der Daumen-Komplex aus einer zusammengewachsenen dreiteiligen und einer zweiteiligen Zehe mit dazugehörendem Sehnen- und Muskel-Apparat. Er verleiht der Pfote ein sehr kräftiges Aussehen.

 

HINTERHAND :

Allgemeines : Die Stellung der Hinterläufe ist etwas eng.

Oberschenkel : Kräftig und muskulös.

Knie : Mässig gewinkelt.

Unterschenkel : Kräftig und muskulös.

Hinterpfoten : Ovale, leicht nach auswärts gedrehte Pfoten mit mindestens sechs Zehen, wovon vier effektiv auftreten, also den Hund abstützen sollen. Sieben Fussballen, an jeder Pfote. Der mittlere Ballen, der grösste, ist mit den zwei inneren Ballen zusammengewachsen. Wenn der Hund normal auf ebener Fläche steht, wird das Gewicht des Körpers normal auf allen Zehenballen verteilt.

 

GANGWERK : Leicht und federnd. Die Bewegung der Vorderläufe mit einer Drehung nach aussen und die etwas enge Stellung der Hinterhand sind für die Rasse charakteristisch.

 

HAARKLEID

 

HAAR : Dichtes und rauhes Deckhaar. Weiche Unterwolle. Das Haar ist kurz am Kopf und an den Vorderseiten der Läufe. Reichere Behaarung am Hals und an den Schenkel-Rückseiten. Dichte Behaarung der Rute, jedoch keine Fahne.

 

FARBE : Rotbraun bis fahlbraun mit mehr oder minder disseminierten schwarzen Haarspitzen, schwarz oder grau, alle mit weissen Abzeichen, oder weiss mit dunklen Abzeichen. Erwachsene Hunde weisen im Deckhaar üblicherweise mehr schwarze Haarspitzen auf als Junghunde.

 

GRÖSSE UND GEWICHT :

Widerristhöhe : Rüden  :            35 cm bis 38 cm,

                        Hündinnen :      32 cm bis 35 cm.

Gewicht :          Rüden :            ca. 7 kg,

                        Hündinnen :      ca. 6 kg.

 

FEHLER : Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

 

AUSSCHLIESSENDER FEHLER :

·       Aggressivität.

 

 

Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.

 

 

N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

 

Herkunft und Geschichtliches

Schon im Jahr 1591 wurden die Hunde in einem Kapitel über Værøy von Erik Hansen Schønnebøl erwähnt. Der Italiener Francesco Negri berichtet 1666 von ähnlichen Hunden in der Finnmark.

Alle heute lebenden Vogelhundehunde haben ihre Ahnen in Mostad, doch fast wären sie völlig ausgerottet worden. Die Bewohner von Røst, die ebenfalls über Jahrhunderte mit dem Hund auf Vogeljagd gegangen waren, gingen zu einer anderen Fangtechnik über. Sie fingen die Vögel mit einem Netz. Diese effektivere Methode wurde gebietsweise auch auf Værøy übernommen. Das machte die Hunde überflüssig. Sie begannen herumzustreunen, zu wildern und entwickelten sich zu einer echten Plage. Daher beschlossen die Gemeindeverwaltungen auf Røst und Værøy eine Hundesteuer einzuführen, was zur Folge hatte, dass es in kurzer Zeit kaum noch einen Hund auf den Inseln gab.

Auf Mostad brauchte man weiterhin den Vogelhund und erreichte nach einigen Protesten eine Steuerermäßigung. Es kam soweit, dass Mostad der einzige Ort wurde, wo noch diese Rasse existierte und wegen der Abgeschiedenheit sich auch nicht mit anderen Hunden vermischte. Von dieser Situation hörte im Jahre 1938 eine Frau namens Eleonora Christi. Sie erkannte, dass diese Rasse kurz vor dem Aussterben stand und beschaffte sich vier Hunde, drei Weibchen und einen Rüden, um den Bestand zu retten. Drei Jahre später musste auf ihre Zucht zurückgegriffen werden, denn auf Mostad starben innerhalb kurzer Zeit alle Hunde an einer Seuche. Nun übergab Frau Christi den Bewohnern vier Hunde zurück, mit denen eine neue Zucht aufgebaut wurde.

Heute existiert zwar nur ein kleiner aber gesicherter Bestand. In ganz Norwegen leben heutzutage ca. 600 Hunde, die meisten aber auf dem Festland als Haus- und Schoßhunde.

Besonderheit

Lundehunde wurden zur Jagd auf norwegische Papageitaucher, die Lunde, eingesetzt. Sie haben einige erstaunliche Fähigkeiten entwickelt. Die Lundehunde haben als einzige Hunderasse sechs Zehen an jedem Lauf, wovon die sechste höher angeordnet ist und dem Hund einen guten Halt beim Klettern gibt. Ein besonderer Schultergürtel macht es dem Tier möglich, die beiden Vorderläufe im 90°-Winkel seitlich wegzustrecken. Der Kopf lässt sich bis an die Wirbelsäule nach hinten biegen, wodurch sich der Hund "kürzer" machen kann. Weiterhin ist ein Lundehund durch eine Querfalte im Ohrenknorpel in der Lage, die normalerweise spitz nach oben stehenden Ohren zuzuklappen, um seine Gehörgänge vor Schmutz und Tropfwasser zu schützen.

Gesundheit

Eine gesundheitliche Besonderheit ist zu beachten: Im Laufe der Zeit hat sich der Organismus auf die Ernährung von Fisch und Vögeln eingestellt. Säugetierfette können zu extremen Problemen führen, bis hin zum Tode. Dieser genetische Defekt wird als Lundehundsyndrom bezeichnet. Fachmenschen gehen davon aus das zwischen 50% und über 90% der vorhandenen Population davon betroffen sind

Zugrunde liegt eine Funktionsstörung des Darmes, wodurch Fette, Eiweiße, verschiedene Vitamine und Spurenelemente nicht richtig resorbiert werden. Diese Störung macht sich allerdings nicht bei allen Lundehunden bemerkbar, kann aber jederzeit akut werden. Um dem Vorzubeugen wird eine Säugetierfleisch freie Nahrung empfohlen - Ersatz währe das Fleisch von Vögeln und Fisch.

Nicht alle Lundehunde sind augenscheinlich betroffen, jedoch hat die Rasse generell die genetische Disposition zu dieser Erkrankung. Das Lundehundsyndrom kann in latenter, sporadischer, akuter oder chronischer Form auftreten.

Beschreibung

Bis 38 cm großer und bis zu 8 kg schwerer spezieller Jagdhund, meist hellbraun mit weiß, stellenweise schwarze Haarspitzen. Das Fell ist kräftig, enganliegend und relativ kurz mit weicher Unterwolle. Dreieckige Ohren von mittlerer Größe, breit an der Basis, aufrecht getragen und eine halblange, dicht behaarte Rute, Ringelförmig oder leicht gerollt über dem Rücken oder auch hängend getragen vervollkommenen das Hundebild. Auffallend ist auch die extrem schmale Brust, aber der Lundehund ist sehr schnell.

Wesen

Der Norwegische Vogelhund ist sehr wachsam, energisch und lebhaft, kinderlieb und sehr freundlich. Mit anderen Hunden kommt er normalerweise gut zurecht. Er ist aber auch sensibel und scheu.