Der Standard des Irish Terrier

 

FCI-Standard Nr.139/20.03.1998/D

 

 

Verwendung:

Stets präsenter Hofhund, Familienhund, Wachhund, der Gefahren oder Verletzungen
mit äußerster Verachtung begegnet, geeignet für die Jagd und die Arbeit nach dem Schuß.

 

Klassifikation FCI:

Gruppe 3 Terrier
Sektion 1 Hochläufige Terrier
Ohne Arbeitsprüfung

 

Kurzer geschichtlicher Überblick:

Irland hat vier Terrierrassen hervorgebracht, die sich alle deutlich von den Terrierrassen des Kontinents und Englands unterscheiden. Die in der heutigen Zeit offiziell als "Irish Terrier" bezeichnete Rasse ist möglicherweise die älteste der irischen Terrierrassen, jedoch sind schriftliche Hinweise so selten, daß dies schwerlich schlüssig zu beweisen wäre.
Vor den Jahre 1880 war die Farbe der Irish Terrier noch recht uneinheitlich. Außer rot waren sie gelegentlich auch schwarz-loh gefärbt oder auch von gestromter Farbe. Ab dem Ende des 19. Jahrhundert bemühte man sich, die Farben schwarz-loh und gestromt züchterisch zu eliminieren, und so zeigten alle Irish Terrier vom Beginn des 20. Jahrhunderts an eine rote Farbe.

Rote Irish Terrier traten bald in England und in den USA auch im Ausstellungsring in Erscheinung, wo sie begeistert aufgenommen wurden.

Ihr guter Ruf gewann noch hinzu, als sie im ersten Weltkrieg bei schrecklichem Lärm in den Wirrnissen des Grabenkrieges als Botenhunde eingesetzt wurden und dort sowohl ihre Intelligenz als auch ihre Furchtlosigkeit unter Beweis stellten.

Der erste Rassespezialklub für Irish Terrier wurde am 31. März 1879 in Dublin gegründet, außerdem war der Irish Terrier die erste Terrierrasse, die vom englischen Kennel Club als solche mit Irland als Ursprungsland offiziell anerkannt wurde.

Fälschlicherweise wird den Irish Terrier nachgesagt, er gerate leicht, manchmal sogar im Ausstellungsring in Streit mit anderen Hunden. Obwohl er keiner Auseinandersetzung aus dem Wege geht, wenn die Umstände es erfordern, so ist der Irish Terrier doch leicht zu erziehen und ein umgänglicher Haushund; er verkörpert somit noch immer Eigenschaften, die ihn, den früheren Beschreibungen entsprechend, zum "Wächter der armen Leute, zum Freund der Bauern und zum Liebling der vornehmen Herren" hatte werden lassen.

 

Allgemeines Erscheinungsbild:

Der Irish Terrier muß aktiv, lebhaft, geschmeidig und drahtig erscheinen und viel Substanz haben, ohne dabei jegliche Unbeholfenheit erkennen zu lassen, denn sowohl Geschwindigkeit und Ausdauer als auch Kraft sind für die Rasse von essentieller Bedeutung. Der Irish Terrier darf weder unbeholfen noch unförmig wirken; die Umrisse seines Körpers und seine Gestalt sollten Schnelligkeit, Anmut und Flüchtigkeit demonstrieren.

 

Verhalten/Charakter (Wesen):

Der Irish Terrier ist, obwohl entschlossen und fähig, sich anderen Hunden gegenüber zu behaupten, bemerkenswer treu, gutmütig und dem Menschen liebevoll zugetan; wenn er angegriffen wird, zeigt er jedoch Löwenmut und kämpft bis zum bitteren Ende.

 

Kopf:

lang, ohne Falten

 

Oberkopf:

Schädel: Flach und ziemlich schmal zwischen den Ohren, zu den Augen hin noch etwas schmaler werdend.
Stop: Kaum sichtbar, lediglich im Profil.

 

Gesichtsschädel:

Nase: Muß schwarz sein.
Lefzen: Sollten gut anliegen und außen fast schwarz sein.
Kiefer: Die Kiefer müssen kräftig, gut bemuskelt und von einer Länge sein, die ein gutes Zupacken ermöglicht.
Zähne: Die Zähne sollten kräftig, ebenmäßig, sauber und gesund sein; die obere Schneidezahnreihe greift leicht über die untere.
Wangenpartie: Nicht zu voll. Sie sollte unter den Augen leicht abfallen, damit nichts an den Kopf eines Greyhounds erinnert.
Augen: Sollten dunkel und klein sein, nicht vorstehen und voller Leben, Feuer und Intelligenz sein. Gelbe oder helle Augen sind äußerst fehlerhaft.
Ohren: Klein, v-förmig, mäßig dick und gut auf dem Kopf angesetzt; sie fallen dicht an den Wangen nach vorn. Die obere Linie des gefalteten Ohres sollte sich gut oberhalb der Schädeldecke befinden.
Ein Ohr, das, wie beim Laufhund, an der Seite des Kopfes herabhängt, ist nicht charakteristisch für diesen Terrier, wobei allerdings ein halb aufrechtes Ohr noch weniger erwünscht ist.
Die Behaarung auf den Ohren sollte kurz sein und dunkler in der Farbe als das Körperhaar.

 

Hals:

Sollte von ansehnlicher Länge sein und sich zu den Schultern hin allmählich verbreitern; er sollte gut getragen werden und keine lose Kehlhaut aufweisen. An beiden Seiten bildet sich gewöhnlich eine leichte Halskrause, die fast bis zum Ohransatz verläuft.

 

Körper:

Sollte ausgewogen sein, weder zu lang noch zu kurz.

 

Rücken:

Sollte kräftig und gerade sein, ohne jegliches Anzeichen von Schlaffheit hinter den Schultern.

 

Lendenpartie:

Muskulös und sehr leicht gebogen. Eine Hündin darf in der Lendenpartie etwas länger sein als der Rüde.

 

Brust:

Tief und muskulös, jedoch nicht mächtig oder breit, mit gut gebogenen Rippen; eher tief als rund, wobei die Rippen gut nach hinten reichen.

 

Rute:

Sollte ziemlich hoch angesetzt sein und fröhlich getragen werden, jedoch nicht über den Rücken ;gezogen oder geringelt sein. Sie sollte eine gute Stärke und Substanz haben und ziemlich lang sein; das Kupieren auf ungefähr ¾ der Gesamtlänge ist richtig; sie ist gut von rauhem Haar bedeckt und frei von jeglicher Franse oder Befederung.

 

Gliedmaßen:

Sowohl die Vorder- als auch die Hinterläufe sollten in der Bewegung gerade nach vorn geführt werden.
Vorderhand: Läufe mäßig lang, gut unter die Schultern gestellt, vollkommen gerade, mit viel Knochenstärke und Muskulatur.
Schulter: Müssen klar umrissen, lang und schräg zum Rücken hin gelagert sein.
Ellenbogen: Sie arbeiten frei an den Körperseiten.
Vordermittelfuß: Kurz und gerade, sein Ansatz ist kaum zu sehen.
Hinterhand: Sollte stark und muskulös sei.
Schenkel: Kraftvoll.
Kniegelenke: Mäßig gewinkelt, nicht nach außen gedreht.
Sprunggelenke: Sie stehen tief über dem Boden.

 

Pfoten:

Sollten kräftig, ziemlich rund und mäßig klein sein; die Zehen sind gebogen und stehen weder nach außen noch nach innen; schwarze Krallen sind äußerst erwünscht. Die Ballen sind gebrauchstüchtig und frei von Rissen oder brüchigen Wucherungen.

 

Gangwerk:

Vorder- und Hinterläufe werden gerade und parallel nach vorn geführt; die Ellenbogen bewegen sich parallel zum Körper und arbeiten frei an dessen Seiten; die Kniegelenke drehen weder einwärts noch auswärts.

 

Haarkleid:

Haar: Sollte dicht und drahtig in der Textur sein, gebrochen ("broken" harsch und hart) erscheinen und dennoch flach anliegen, wobei die einzelnen Haare so dicht und stark nebeneinander wachsen, daß die Haut nicht zu sehen ist, selbst wenn man des Haar mit den Fingern teilt; das Haar ist weder weich noch seidig und, besonders an der Hinterhand, keinesfalls so lang, daß die Körperumrisse verdeckt würde, und des ist frei von Locken oder Kräuselung, Das Haar am Gesichtsbereich ist genauso zu beschreiben, jedoch kurz (ca ¼ inch = ca. 6 mm lang), fast glatt und gerade, ein angedeuteter Bart zeigt die einzigen langen Haare (und diese lang nur im Vergleich mit dem übrigen Haar), die erlaubt sind, ein Charakteristikum. Ein "Ziegenbart" deutet auf ein seidiges, schlechtes Haar am gesamten Körper hin. Die Läufe sind nicht befedert und, ebenso wie der Kopf, mit Haar bedeckt, das genauso hart, jedoch nicht so lang ist wie das Körperhaar.

 

Farbe:

Der Hund sollte einheitlich gefärbt sein; besonders bevorzugt werden ein leuchtendes Rot, Rot-weizen oder ein gelbliches Rot. Weiß findet sich gelegentlich an Brust und Pfoten, was an diesen allerdings mehr zu beanstanden ist als an der Brust, denn einen weißen Fleck findet man bei allen einfarbigen Rassen dort häufiger.

 

Größe und Gewicht:

Schulterhöhe: Annähernd 18 inches (45 cm).
Gewicht: Rüden 27 lbs (12,25 kg)
Hündinnen: 25 lbs (11,4 kg).
Trotz des oben genannten erwünschten Gewichts ist dieses hauptsächlich eine Frage der Gesamterscheinung; und wenn ein Hund Über- oder Untergröße hat, ist dies im Ausstellungsring leicht zu erkennen, ganz gleich, wieviel sein Gewicht betragen mag.
Das tatsächliche Gewicht darf deshalb keinesfalls unter Mißachtung anderer Aspekte zur fixen Idee werden, sonnst könnte vielleicht ein falscher Rassetyp nach vorn gebracht werden.
Es kann z.B. ein vergleichsweise kleiner, schwer gebauter, unförmiger Hund - der nicht erwünscht wäre - Standardgewicht oder mehr haben, wohingegen ein anderer, der hoch auf den Läufen steht, nicht die nötige Substanz hat und eher wie ein Whippet gebaut ist - was auch nicht gewünscht ist - genauso das richtige Gewicht oder weniger haben. Dies beweist, daß die Gewichtsangaben des Standards zwar nicht außer Acht gelassen werden dürfen, daß sie jedoch beim Richten nicht den Ausschlag geben dürfen; die Hauptmerkmale, nach denen so gut wie möglich ausgewählt wird, sind eine allgemein akzeptable Größe im Verbindung mit den übrigen geforderten Rassemerkmalen.

 

Fehler:

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muß als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen soll.

 

Ausschließende Fehler:

Nase: Jede andere Farbe als Schwarz.
Gebiß: Deutlicher Vor- oder Rückbiß.
Farbe: Jede andere Farbe als Rot, gelbliches Rot oder Rot-weizen.
Ein kleiner weißer Fleck an der Brust ist wie bei anderen Rassen erlaubt.
Pfoten: Brüchige Wucherungen oder Risse an den Ballen.

 

N.B.

Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

 

Ergänzende Anmerkung:

Die ab dem 01. Juni 1998 gültige Änderung des Tierschutzgesetzes hat auch für die Rasse Irish Terrier direkte Folgen in Bezug auf den Rassestandard. Ab diesem Datum tritt in Deutschland die Regelung eines generellen Kupier-Verbotes in Kraft.
Hierzu ist anzumerken daß der Rassestandard hinsichtlich Sitz und Haltung der Rute in jedem Fall eine eindeutige aussage trifft. Es gilt somit auch eine unkupierte Rute die Forderung, daß diese gerade und nicht über den Rücken gezogen oder geringelt getragen werden soll.

 

 

Übersetzung: Elke Peper
Ursprung: Irland
Datum der Publikation des gültigen Originalstandards: 16.03.1990