GROSSER MÜNSTERLÄNDER (GM)

 

 

FCI Standard N 118 b vom 24. Juni 1987

 

Ursprungsland:
Deutschland.
 

Verwendung:
Vielseitig verwendbarer Jagdgebrauchshund; seine Stärke liegt in der Arbeit nach den] Schuß. Wissenschaftliche

Einordnung:
 KLASSIFIKATION: Gruppe VII (mit jagdlicher Anlage, Zucht- und Gebrauchsprüfung).

Kurzer geschichtlicher Überblick:
Die geschichtliche Entwicklung des Grossen Münsterländers geht zurück auf den weissbunten Vogel-

 und Beizhund des Mittelalters über den Stöber- und Wachtelhund auf den Vorstehhund des 19. Jahrhunderts.

 Der GM zählt ebenso wie der Kleine Münsterländer und der Deutsch-Langhaar zur Familie der langhaarigen

deutschen Vorstehhunde, deren planmässige Zucht gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann. Nachdem der

"Deutsch-Langhaar-Verein" 1909 die schwarze Farbe endgültig von der Zucht ausschloß, nahm sich der 1919

gegründete Verein für die Reinzucht des langhaarigen schwarz-weissen "Münsterländer Vorstehhundes"

 der Zucht der schwarz-weissen Langhaar an. Nach Erfassung der vor allein im westlichen Münsterland

und in Niedersachsen noch vorhandenen Reste dieses bodenständigen Langhaarstammes in einer Urliste,

begann der Verein 1922 mit der planmässigen Zucht des Grossen Münsterländers. Die Urliste umfasst 83 Hunde.

Nachkommen aus Paarungen zwischen den in der Urliste erfassten GM wurden in das Zuchtbuch Grosse

Münsterländer (ZGM) eingetragen. Zuchtbuchführender Verein ist der Verband Grosse Münsterländer e.V.

 (VGM), organisiert in derzeit acht selbständigen Landesgruppen. Der VGM ist Mitglied im VDH und im

Jagdgebrauchshundverband (JGHV). FCI - Standard des Grossen Münsterländers

1 ) Allgemeines Erscheinungsbild des Hundes:
Kräftiger. muskulöser Körperbau, dabei schnittiges Gesamtbild, Ausdruck von Intelligenz und Adel. Trockene Aussenlinie.

2) Wichtige Massenverhältnisse (Proportionen):
Rumpflänge und Schulterhöhe sollen möglichst gleich sein. Die Rumpflänge kann die Schulterhöhe um 2 cm überschreiten.

3) Verhalten und Charakter:
Die wichtigsten Eigenschaften sind Führigkeit, Gelehrigkeit und zuverlässige Verwendbarkeit für die Jagd,

 insbesondere nach dem Schuß. Wesen lebhaft ohne Nervösität.

 

4) Der Kopf:
Edel und langgestreckt mit geringem Stop und klugem Aussehen, ausgeprägte Kinnmuskulatur

Nase:
Nasenrücken gerade mit ausgeprägtem Nasenschwamm.

Schnauze (Fang):
Kräftig, lang und für den Gebrauch gut ausgebildet.

Lippen (Lefzen):
Nicht überhängend.

Gebiss:
Kräftig und vollständig (42 Zähne mit ausgeprägten Fangzähnen und einwandfreiern Scherengebiss.

Augen:
Je dunkler umso besser.

Ohren (Behang):
Breit, ziemlich hoch angesetzt. unten gerundet, gut anliegend

5) Der Hals:
Kräftig, gut bemuskelt. edel geschwungen.

 

6) Der Rumpf:

Widerrist:
Mittelhoch, lang, gut bemuskelt.

Brust:
Von vorne gesehen breit, von der Seite gesehen tief mit deutlicher Vorbrust.

Rücken:
Kurz, fest, gerade mit sanft abfallender Kruppe.

Lenden:
Ausgeprägt durch straffe Muskulatur geschützt.

Kruppe:
Lang, breit, nur leicht abfallend, gut bemuskelt.

Bauch:
Leicht aufgezogen, straff, schlank, Flanken kurz und hoch abgesetzt

 

7) Die Gliedmassen

7.1 Vorderläufe (vordere Extremität):
Fest an den Rippen anliegende Schulterblätter, korrekte Winkelung, gerade. stark und -gut bemuskelt, elastische

Vorderfessel. Pfoten gut geschlossen, von mässiger Länge und Rundung Wolfskrallen sind zu entfernen.

7.2 Hinterläufe (hintere Extremität):
Kräftige und straffe Bemuskelung, senkrechte Stellung. korrekte Winkelung der Knie- und Sprunggelenke.

Pfoten wie an den Vorderläufen Wolfskrallen sind zu entfernen.

8) Gangwerk:
Schritt und Trab federnd, raumgreifend, mit weitem Vorgriff. Galopp: elastisch. schwungvoll mit nötigem Nachschub,

weiter Sprung.

9) Die Haut:
Straff.

 

10) Das Haarkleid:

10.1 Beschaffenheit des Haares:
Lang und dicht, jedoch schlicht, nicht lockig oder abstehend. da dies der jagdlichen Verwendung hinderlich ist.

Typisches Langhaar. Das Haar muß beim Rüden als bei der Hündin. an der Rückseite der Vorder- und Hinterläufe

besonders lang und dicht sein (gut befedert). Auch an der Rute soll das Haar besonders lang sein. Die stärkste Befahnung

 der Rute soll etwa in der Mitte ihrer Länge sein. Das Haar an den Behängen soll lang sein (gute Fransenbildung)

 und den Unterrand des Behangs seitengleich deutlich überragen (keine Lederbehänge).

Im übrigen ist das Haar des Kopfes kurz und anliegend.

10.2 Haarfarbe:
Weiss mit schwarzen Platten und Tupfen oder schwarz geschimmelt. Kopf schwarz, evtl. mit weisser Schnippe oder Blesse.

11) Größe und Gewicht:
Schulterhöhe (Stockmass)
Rüden 60-65 cm
Hündinnen 58-63 cm
Gewicht um 30 kg.

 

12) Fehler

Kopf:
Zu breiter Oberkopf, zu starker Stirnabsatz.

Nase:
Ramsnase, Hechtnase, fehlende." Pigment - vollständig oder nur Tupfen.
Schnauze (Fang):
Offene oder überhänggende Lefzen.

Gebiss:

Leichte Fehler:
Zangengebiss, Fehlen von P1 bzw. M3.

Schwere Fehler:
Vorbiss. Rückbiss, Kreuzbiss, Fehlen von Schneidezähnen, Fangzähnen sowie P 2 - P 4 bzw. M1 und M2.

Augen:
Zu helles Auge, sichtbare rote Nickhaut, Entropium, Ektropium.

Ohren:
Tief angesetzt, abstehend.

Hals: Zu kurz. zu lang zu dick, zu dünn.

Kehlwanne Widerrist:
Zu niedrig zu kurz.

Brust:
Tonnenförmig engbrüstig nicht tief genug fehlende Vorbrust.

Rücken:
Zu lang, Senkrücken Karpfenrücken.

Lenden:
Schwache Bemuskelung Übergang zur Kruppe unharmonisch; Überbaute Kruppe: kurz, schmal, stark abfallend.

Bauch:
Zu stark- aufgezogen zu tief angesetzt.

Rute:
Seitwärts getragen nach oben aufgerollt, Knickrute Ringelrute.

Vorderläufe:
Zu steile Gelenke, abstehende oder abgedrehte Ellenbogen, zu weiche Fesselgelenke, bodenenge oder

bodenweite Stellung.

Hinterläufe:
Zu Steile Winkelung kuhhessige oder fassbeinige sowie bodenenge oder bodenweite Stellung

Pfoten:
Runde lange Hasenpfoten Spreizpfoten zehenenge oder zehenweite Stellung

Gangwerk:
Schritt und Trab: kurz, steif, trippelnd.

Galopp:
Kurzer. steifer Sprung. zu wenig Nachschub.

13) Zuchtausschliessende Fehler:
Erbfehler jeder Art wie Schußscheue, Schußempfindlichkeit jeden Grades, Scheue an lebendem Wild, Angstbeisser,

 Ängstlichkeit vor fremden Personen.

Erbkrankheiten wie Epilepsie, aseptische Humerusnekrose (Vorderhandlahmheit), spontaner Kreuzbandriss,

Hodenfehler (ein- oder beidseitiger Kryptorchismus), Entropium (Rollauge), Ektropium (offenes Auge), erhebliche

 Gebiss- und Zahnfehler wie Vorbiss, Rückbiss, Kreuzbiss, fehlende Schneide- oder Fangzähne, fehlende Molare

und Prämolare, erhebliche Pigmentfehler wie weisser Nasenschwamm.

Farbfehler: Farben die den Rassestandard nicht entsprechen.
Leichte Gebiss- und Zahnfehler (Zangengebiss, doppelte PL Fehlen von nicht mehr als zwei P1 bzw. M3)

gelten noch als für die Zucht zulassungsfähig

N. B.:
Rüden müssen zwei sichtlich normale, gut im Skrotum liegende Hoden aufweisen.