FCI - Standard Nr. 28 / 14. 01. 1997
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CHIEN D’ARTOIS


ÜBERSETZUNG : Frau
Michèle Schneider.
URSPRUNG : Frankreich.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES : 24. 07. 1996.
VERWENDUNG : Der Chien d’Artois ist ein Briquet und wird
heutzutage überwiegend zur Flintenjagd verwendet. Als Zutreiber nimmt er mit
Fleiß auch verlorene Fährten wieder auf, dabei arbeitet er mittelmäßig schnell,
aber ausdauernd. Im ebenen Gelände kann er mit seiner feinen Nase die
Täuschungsmanöver des Hasen vereiteln. Im Forst treibt er dank unbestreitbarer
Jagdqualitäten im lichten, gut durchdringbaren Hochwald ein Reh ausgezeichnet
zu. Im Dickicht kann er unerschrocken und mutig selbst ein widerspenstiges
Wildschwein aufjagen. Zudem ist er ein kräftiges Tier mit herrlichem,
mitreißenden Geläut und hoher, weithin vernehmlicher Stimme. Sechs bis acht
gleichförmige, dreifarbige Chiens
d’Artois bilden eine kleine Meute, die wohl auch dem anspruchsvollsten
Jagdreiter zur Freude gereicht.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 6 Laufhunde,
Schweisshunde
und
verwandte Rassen.
Sektion 1.2 Mittelgrosse Laufhunde.
Mit Arbeitsprüfung.
KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Diese, früher „Chien Picard“
genannte Rasse, war in der alten Parforcejagd zu Zeiten Heinrichs des IV und
Ludwigs des XIII hoch geschätzt und gesucht. Bereits Sélincourt lobte sie in höchsten
Tönen, nachdem er erstaunt und höchst verwundert sah, wie diese Hunde einen
Hasen herbeitrieben, der bei trockenem Wetter eine Stunde vorher vorbeigekommen
war. Le Couteulx de Canteleu spricht im Handbuch des Französischen Weidwerks
(Manuel de Vénerie Française) von 1890 ebenfalls voller Lob vom Chien d’Artois.
Er berichtet, dass die artesische Rasse seiner Zeit bastardisiert sei und
reinrassige Hunde nur schwer zu finden seien; dennoch bliebe sie noch immer
eine der besten Rassen für die Hasenjagd.
Er trug übrigens dafür
Sorge,dass einige Vertreter der Rasse im grossen Zwinger des Jardin
d’Acclimatation ausgestellt wurden, um sie so der breiten Öffentlichkeit
bekannt zu machen. Ende des 19. und zu Beginn unseres Jahrhunderts versuchte
M.Levoir in der Picardie, den alten Typ des Chien d’Artois wiederherzustellen,
ohne jedoch dieses Ziel tatsächlich zu erreichen. Während dieser Zeit und bis
zum Beginn des 1. Weltkrieges dominierte ein anderer Züchter aus der Picardie,
M.Mallard, die Zucht der Rasse. Aber obwohl er viele schöne Hunde
hervorbrachte, wie seine vielen Auszeichnungen auf Zuchtschauen beweisen, so
stimmte deren Typ jedoch nicht immer mit den Beschreibungen überein, die wir
von älteren Autoren haben. Nach dem 2. Weltkrieg glaubte man, den Chien
d’Artois zu jenen Rassen zählen zu müssen, die für immer verschwunden sind. Zu
Beginn der 70er Jahren setzte sich aber M.Audréchy aus Buigny les Gamaches im
Departement Somme das Ziel, den Rassebestand wieder aufzubauen. Seine Anstrengungen und denen von
Mme Pilat ist es zu verdanken, dass diese Rasse wieder ihren Platz unter den
Laufhunden gefunden hat.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Gut gebauter Hund; muskulös
und nicht zu lang; Kraft und Energie ausstrahlend.
WICHTIGE PROPORTIONEN :
VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Kräftiger und
widerstandsfähiger Hund mit feiner Nase; guter Zusammenhalt in der Meute;
ausgeglichen und anhänglich.
KOPF :
OBERKOPF :
Schädel :
Kräftig, breit, ziemlich kurz; gerundet und im oberen Teil abgeflacht, aber mit
wenig ausgeprägtem Hinterhaupthöcker.
Stop :
Betont.
GESICHTSSCHÄDEL :
Nasenschwamm :
Schwarz, kräftig, mit wie geöffneten Nasenlöchern.
Fang :
Nasenrücken gerade und, von der Seite betrachtet, leicht verlängert.
Lefzen : Die
Oberlefze bedeckt die Unterlefze deutlich und ist ausreichen entwickelt, um dem
Fangende aus der Seitenansicht eine quadratische Form zu geben.
Kiefer / Zähne :
Scherengebiss; die oberen Schneidezähne bedecken die unteren mit engem Kontakt
und sind rechtwinklig zum Kiefer eingesetzt.
Backen :
Trocken.
Augen : Im Verhältnis
zur Stirnbreite stehen die Augen nicht sehr eng zueinander; sie sind rund,
weder hervortretend noch tiefgebettet und von melancholischem und sanftem
Ausdruck; ihre Farbe ist dunkelbraun; die Bindehaut der unteren Lider darf
nicht sichtbar sein.
Behang : Auf
Augenlinie angesetzt; etwas dick, breit, mit rundem Ende, nahezu flach und
recht lang; bis zum Nasenschwammansatz reichend.
HALS : Mittellang, kräftig; sehr wenig Wamme.
KÖRPER :
Rücken :
Breit und fest.
Lenden :
Leicht gewölbt.
Kruppe : Die
Hüften geben der gut bemuskelten Kruppe eine leichte Neigung.
Brust :
Breit und lang; genügend tief, so dass die Brustunterlinie die Ellenbogen
erreicht. Rippen gut gewölbt.
Untere Profillinie und Bauch :
Volle Flanken.
RUTE : Kräftig, recht lang, manchmal gegen das Rutenende hin
rundum einige etwas längere und gröbere, ährenartig abstehende Haare aufweisend
und sichelförmig getragen; nie nach vorn über den Rücken fallend.
GLIEDMASSEN
VORDERHAND :
Allgemeines: Die
vorderen Gliedmassen sind kräftig und stehen senkrecht.
Schultern :
Schräg und muskulös.
Ellenbogen : Gut
in der Körperachse liegend.
Vordermittelfuss :
Leicht schräg.
HINTERHAND :
Allgemeines : Von
hinten betrachtet liegen Sitzbeinhöcker, Schenkelmitte, Sprunggelenk,
Hintermittelfuss und Pfote auf ein und derselben senkrechten Linie.
Oberschenkel : Lang
und gut bemuskelt.
Sprunggelenk :
Kräftig und mässig gewinkelt.
Hintermittelfuss : Kurz
und kräftig.
PFOTEN:
Leicht länglich, kräftig, Zehen genügend aneinanderliegend; die Ballen sind schwarz,
widerstandsfähig und kompakt.
GANGWERK : Gleichmässig und leichtfüssig.
HAUT : Recht dick.
HAARKLEID
HAAR : Kurz,
dick und recht flach.
FARBE :
Dreifarbig dunkelfauve bis hin zu hasen- oder dachsfarben, mit Mantel oder
grossen Flecken; der Kopf ist üblicherweise falbfarben, manchmal berusst
GRÖSSE UND GEWICHT :
Widerristhöhe : Bei
Rüden und Hündinnen: 53 bis 58 cm.
Mit einer Toleranz von 1 cm.
Gewicht : Durchschnittlich 28 bis 30 kg.
FEHLER : Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als
Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der
Abweichung stehen sollte.
Kopf:
Hals:
Körper:
Rute:
·
Zu lang, seitlich abweichend getragen.
Vordere Gliedmassen:
·
Steile Schulter.
·
Ausgedrehte Ellenbogen.
·
Steil gestellter Vordermittelfuss.
·
Durchgetragene Pfoten.
·
Gespreizte, zu lange Zehen.
Hintere Gliedmassen:
Farbe:
Verhalten:
AUSSCHLIESSENDE FEHLER :
·
Ängstlicher
oder aggressiver Hund.
·
Mangel
an Typ (der Hund gleicht insgesamt nicht ausreichend den Artgenossen gleicher
Rasse).
·
Anatomische
Anomalie.
·
Erkennbarer,
die Gebrauchsfähigkeit beeinträchtigender Erbfehler.
·
Vor-
oder Rückbiss.
·
Sehr
helle Augen.
·
Zierliche
Gliedmassen.
·
Jede
andere Farbe als die im Standard beschriebene.
·
Überhandnehmende
Tüpfelung.
·
Von
der Standardbeschreibung abweichende Widerristhöhe.
Hunde, die
deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen
disqualifiziert werden.
N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte
Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.