FCI - Standard Nr.  170 /  24. 08. 1995  /  D

 

CASTRO LABOREIRO HUND

(Cão de Castro Laboreiro)

 


 

ÜBERSETZUNG  : Dr. J.-M.Paschoud und Frau R.Binder.

 

URSPRUNG : Portugal.

 

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES  : 12. 06. 1967.

 

VERWENDUNG : Wach- und Hütehund.

 

KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 2   Pinscher und Schnauzer –

                                                            Molossoide – Schweizer

                                                            Sennenhund und andere

                                                            Rassen.

                                          Sektion 2.2 Molossoide, Berghunde.

                                          Ohne Arbeitsprüfung.

 

 

 

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Die Rasse stammt aus dem portugiesischen Dorf Castro Laboreiro und trägt dessen Namen. Sie war seit altersher in diesem Dorfe ansässig und ist heute noch dort zahlreich vertreten. Obschon eindeutige Beweise fehlen, gehört diese Rasse, genau wie der Berghund der Sierra Estrela, zu den ältesten Rassen auf der iberischen Halbinsel. Ihre Verbreitung ist durch die Bergketten Peneda und Suajo sowie durch die Flüsse Minho und Lima umgrenzt, wo sie in verschiedenen Höhenlagen bis zu 1400 m über Meer anzutreffen ist. An anderen Orten am Minho und in der Provinz Duro können weitere Exemplare angetroffen werden.

Der Castro Laboreiro Hund dringt jedoch selten in das Zentrum und in den Süden Portugals vor, wo er unbeachtet bleibt.

 

 

 

 

 

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Der Castro Laboreiro Hund ist ein lupoïder Hund vom Typ Mastiff von nahezu rechteckigen Umrisslinien. Er ist kräftig, sein äusseres Erscheinungsbild ist gefällig und sein Haarkleid manchmal recht auffallend. Die Bewegung ist frei, flink und energisch. Sein Bellen ist ziemlich charakteristisch und laut: es beginnt in verschiedenen, normalerweise tiefen Tonlagen und endet in Form von anhaltenden hohen Tönen, welche eher einem Heulen ensprechen.

 

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Treuer und gehorsamer Gefährte für seine familiäre Umgebung, unentbehrlicher Verteidiger der Herde gegen den Wolf, der in der Umgebung heute noch häufig vorkommt.  Er ist ein idealer Wachhund, der das ihm anvertraute Gebiet anhaltend beschützt. Seine Haltung ist würdig, sein Ausdruck ist streng und hart, derb wie ein Bergbewohner. Er kann sich eindeutig feindlich verhalten, ist aber nicht streitsüchtig.

 

KOPF : Von mittlerer Grösse, eher leicht als schwerfällig; trocken ohne hager zu sein; Haut reichlich entwickelt, aber ohne Falten; Kopf länglich, nahezu rechteckig; gut aufgesetzt.

 

OBERKOPF :

Schädel : Ziemlich gut entwickelt, von vorne gesehen leicht vorstehend. Im Profil fast flach. Stirnfurche kaum wahrnehmbar. Hinterhauptskamm wenig abgezeichnet.

Stop : Nicht sehr ausgeprägt, näher bei der Nasenspitze als beim Scheitelpunkt des Schädels.

 

GESICHTSSCHÄDEL :

Nasenschwamm : Gut entwickelt, breit, gerade; Nasenlöcher gut geöffnet; Farbe immer schwarz.

Fang : Nasenrücken lang, kräftig, in seiner ganzen Länge geradlinig; Fang sich gegen die Nasenspitze zu verjüngend, aber ohne schmal oder spitz zu scheinen. Mundspalte gut umrissen.

 

 

Lippen : Eng anliegend, von normaler Grösse, weder hängend noch fleischig. Mundwinkel kaum sichtbar. Mundschleimhäute, Gaumendach und Lippenrand eindeutig schwarz pigmentiert.

Kiefer / Zähne : Kiefer gut entwickelt, mit gutem Gebissschluss. Vollständiges, kräftiges Gebiss mit gutem Zahnschluss; weisse, in den muskelstarken Kiefern gut eingesetzte Zähne.

Augen : Schräg, weder vorstehend noch eingesunken, in Form einer Tonsille, von mittlerer Grösse, beide Augen gleich gross und gut geöffnet. Ausdruck streng und hart. Verschiedene Abstufungen von braun, von haselnussbraun bei Hunden mit hellem Haarkleid bis tief dunkelbraun, fast schwarz, bei Hunden mit dunklerem Haarkleid.

Ohren : Von mittlerer Grösse (12 auf 12 cm), mässig dick, fast dreieckig mit abgerundeter Spitze; mässig hoch angesetzt, hängend; sie fallen natürlich flach und eng am Kopf anliegend und sind parallel zueinander. Wenn der Hund aufmerksam ist, sind sie nach vorne gewendet, wobei die Aussenfläche nach vorne gedreht bleibt.

 

HALS : Gerade, gut geformt, kurz, an Kopf und Rumpf gut eingesetzt, in seiner Dicke wohl proportioniert. Stolz getragen. Keine Wamme.

 

KÖRPER :

Rücken :  Gerade und von mittlerer Länge.

Lenden : Kräftig, breit, kurz und gut bemuskelt, harmonisch in die Kruppe übergehend.

Kruppe : Leicht schräg gestellt.

Brust : In Form eines Spitzbogens, hoch, breit und ziemlich tief.

Untere Profillinie und Bauch : Bauch eher flach, sogar etwas eingezogen, mit grossem Unterschied im Abstand zum Boden zwischen Brustbein und Leistengegend, was zu einer bemerkenswert gegen hinten ansteigenden Linie führt.

 

 

 

 

RUTE : Ganz, nicht kupiert. In Ruhestellung sollte die Rute bis zum Sprunggelenk reichen. Elegante Säbelrute, am Ansatz breit, lang, auf der Unterseite stark behaart; am Rumpf gut, etwas höher als üblich angesetzt. Sie fällt natürlich in eleganter Linie über die reichlich behaarten Oberschenkel, aber nicht dazwischen. Bei Aufmerksamkeit wird sie höher als die Rückenlinie in einem Bogen nach oben, vorne und etwas nach der Seite getragen, aber nie in  Form eines Jagdhorns nach unten gerichtet.

 

GLIEDMASSEN

 

VORDER- UND HINTERHAND : Von vorne und von hinten besehen sind Vorder- und Hinterhand perfekt gerade und senkrecht gestellt; von der Seite gesehen sind die Vordergliedmassen ebenfalls gerade und senkrecht, während bei den Hintergliedmassen die Linie unterhalb des Sprunggelenkes zum Boden von der Senkrechten abweichend leicht von oben nach vorne geneigt ist (Hund leicht unter sich gestellt). Gut entwickelte Knochen,  von kräftigen Muskeln bedeckt, an den Oberarmen und besonders an den Oberschenkeln, welche von hinten gut sichtbare Muskelpakete aufweisen. Die Unterarme sind eher zylindrisch, gerade und verjüngen sich allmählich von oben nach unten bis zum Vordermittelfuss, der weder zu lang noch zu stark geneigt sein soll (nicht durchgetreten). Gelenke und Winkelungen gut entwickelt. Winkel normal geöffnet (Schulter-Oberarmgelenk fast gerade, Tibio-tarsalgelenk mässig stumpf gewinkelt).

 

PFOTEN: Zur Grösse passend, eher rund als lang, fast eine Katzenpfote. Zehen stark, natürlich aufgeknöchelt, weder nach aussen (Senkfuss) noch nach innen (Hohlfuss) geneigt und eng aneinander liegend. Fussballen dick und zäh. Gut entwickelt Krallen, von schwarzer oder dunkelgrauer Farbe, kräftig, glatt, regelmässig abgenützt. Einfache oder doppelte Afterkrallen zulässig.

 

GANGWERK : Bewegungsablauf leicht und rhythmisch; die Gliedmassen bewegen sich parallel zur Medianfläche des Körpers. Normalerweise bewegt sich dieser Hund im Schritt oder in einem natürlichen ungezwungenen Passgang, ausser wenn bestimmte Vorkommnisse ihn dazu zwingen, zu traben oder zu galoppieren.

 

HAARKLEID

 

HAAR : Dick, widerstandsfähig, bei Berührung etwas rauh, eher matt, glatt, fast am ganzen Körper eng anliegend und sehr dicht. Das Haar ist kurz (ungefähr 2 cm); längeres oder kürzeres Haar wird selten angetroffen. In der Regel ist das Haar dichter und kürzer an Kopf und Ohren, wo es, wie an den unteren Teilen der Extremitäten, weicher und feiner ist. An der Rute ist das Haar dicker und länger, ganz besonders an der Unterseite, wodurch die Rute in ihrem mittleren Abschnitt dicker erscheint. Oberschenkel stark behaart. Keine Unterwolle.

 

FARBE : Wolfsgrau in allen Abstufungen, von hellen über mittlere zu dunklen Tönungen, wobei die letzteren am häufigsten vorkommen. Ausnahmsweise können alle 3 Farbnuancen an verschiedenen Stellen desselben Tieres vorkommen: dunkelwolfsgrau an Kopf, Schultern und Gesäss, mittlere Tönung an Brust, Rumpf und Oberschenkeln, helle Tönung am Bauch und im unteren Bereich der Gliedmassen. Die beliebteste Farbe, lokal „Bergfarbe“ genannt, welche von den Züchtern in Castro Laboreiro als die charakteristische Urfarbe angesehen wird, ist ein zusammengesetztes gräuliches Wolfsgrau mit sehr oder weniger dunklen Farbabstufungen, nicht schwarz, wobei braune (Farbe der Piniennuss) oder rötliche Haare (Mahagonifarbe) teilweise oder über den ganzen Körper eingestreut sind.

 

GRÖSSE:

Widerristhöhe : Rüden              55 bis 60 cm,

                        Hündinnen        52 bis 57 cm.

 

 

 

 

MASSE UND GEWICHT EINES MITTLEREN HUNDES

 

 

Kopf

 

Länge des Schädels

13,5 cm

Breite des Schädels

13   cm

Länge des Fangs

11   cm

 

 

Brust

 

Umfang

72  cm

Breite

20  cm

Höhe

27  cm

 

 

Oberlinie

 

Länge des Rumpfes

62  cm

Breite

14   cm

 

 

Länge

 

Länge des Körpers

68  cm

Länge der Rute

38  cm

 

 

Höhe

 

Am Widerrist

60  cm

Länge eines Vorderlaufs

33  cm

Höhe an der Kruppe

60  cm

 

 

Gewicht

40  kg

 

 

FEHLER : Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

 

PUNKTESKALA

 

 

Rüden

Hündinnen

Kopf: Haltung, Schädel, Augen, Ohren,

 

 

Nasenrücken, Fang, Stop, Nasenschwamm

20

20

Hals, Widerrist, Schultern, Vorderhand

15

13

Brust, Lenden, Oberlinie, untere Linie

15

15

Kruppe, Becken, Hinterhand

13

15

Rute: Haltung, Form, Ansatz

5

5

Pfoten, Zehen, Krallen

5

5

Haar: Beschaffenheit, Farbe, Dichte

7

7

Allgemeines Erscheinungsbild: Harmonie der

 

 

Proportionen, Gangwerk, Grösse/Substanz,

 

 

Geschlechtsmerkmale

20

20

 

100

100

 

 

 

N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

Herkunft und Geschichte
Namensgebend war das portugiesische Dorf Castro Laboreiro, in dem die Rasse seit altersher bis heute ansässig ist. Obwohl eindeutige Beweise fehlen, gehört diese Rasse - wie der Berghund der Sierra Estrela - zu den ältesten auf der iberischen Halbinsel.


Beschreibung
Der Cão de Castro Laboreiro mittelgroßer sehr eleganter Hund, den es in zwei "Ausführungen" gibt: In Portugal den sog. Show-dog mit einer max. Körperhöhe von 60 cm (Rüden); daneben die sog. Hunde aus Arbeitslinien, die zwischen 65 cm (Weibchen) und 75 cm (Rüden) hoch werden. Es ist eine urgesunde und robuste Rasse, die noch keine Zuchtschäden trägt. Das Haar ist dick, dicht, gegen jede Art von Wetter beständig, eher matt, glatt, am ganzen Körper eng anliegend. Meist sind Brust und Rute buschig. Insbesondere die Rute wird säbelartig nach hinten getragen und ist in der Mitte buschig. Das Haar ist kurz (ungefähr 2 cm); längeres Haar kommt je nach Farbschlag vor: "mountain-coloured" und wolfsfarben, rot-braun-grau in allen Schattierungen und schwarz. Die ohren sind mittelgroß, fast dreieckig mit abgerundeter Spitze; mäßig hoch angesetzt, am Kopf hängend anliegend. Der Gang ist tänzelnd elegant und sehr beweglich. Eine Besonderheit sollte hier noch erwähnt werden: der Hund ist geruchlos selbst mit nassem Fell!


Wesen und Verwendung
Sehr guter Wachhund, verteidigt Vieh, Haus und Hof gegen den in dieser Gegend auch heute noch vorkommenden Wolf. Der Cao de Castro Laboreiro ist der einzige Herdenschutzhund, der auch eine enge emotionale Bindung mit seinem Herrn eingeht. Er ist treu, ohne den Kadavergehorsam der Gebrauchshunde, hat nicht den "will-to-please". Er ist misstrauisch gegenüber Fremden und Fremdem, aber nicht streitsüchtig. Er ist ein ausgezeichneter Familienhund, der andere Haustiere respektiert und auch mit Kindern ganz hervorragend agitiert. Menschen, die gerne auf den Hundeplatz gehen und dort Kommandos üben möchten, sollten um diesen Hund einen Bogen machen. Der Cão de Castro Laboreiro braucht einen Halter, der ihm mit Respekt und Zuwendung begegnet, jede Art von Gewalt und Zwang wird der Hund auf Dauer nicht tolerieren. Er ist es gewöhnt, selbstständig zu agieren. Eine Schutzhundeausbildung sollte mit diesem Hund nicht gemacht werden, da dessen Schutzinstinkt genetisch verankert ist und nicht verstärkt werden sollte.